THESE #1/8 EIN WERK DAS GESCHRIEBEN WURDE, WILL GELESEN WERDEN

19.Oktober 2006 Mario

Unter Werk ist weit mehr als nur Kunst und Poesie zu verstehen. Als Werk sollen hier alle Arten von Information, Archiven, Musik als Speichermedium von Gefühlen, technischen Codes und Verschlüsselungen sowie Vertragswerke, Standards und gesetzliche Bestimmungen verstanden werden.

Man könnte auch von potenziell lesbaren Werken sprechen. Ein Werk, das zum Beispiel als Format im Internet verfügbar ist, ist ohne weitere Anstrengungen lesbar. Es muss nur kopiert werden und mit dem richtigen Abspielgerät ausgeführt werden. All das erfordert weder besondere Kenntnisse, noch übermässig viel Zeit. Ausserdem führt diese Tätigkeit der Leser selbst durch und müsste im Prinzip eine Honorarnote stellen, wenn der Aufwand nicht zu gross wäre für die marginale Handlung der Aktion.

Die Leser können Menschen oder Lesegeräte sein, die im Auftrag von einzelnen Individuen Werke lesen (Software und Programme). Gemeinsam bilden Leser und Lesegeräte die Öffentlichkeit, die das Werk erreichen will.

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bisher 4 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Norbert  |  21.Oktober 2006 at 12:01

    Hmm… ich würde da einen Unterschied zwischen “gehaltvollen” und “gehaltlosen” Werken machen wollen.

    Mit “gehaltvollen” Werken meine ich alles, was ein Mesch schreibt, um damit eine Wahrheit oder sonst ein Herzensanliegen zum Ausdruck zu bringen. Dies sind die Werke, die Wert sind, gelesen zu werden, und der Autor ist sicher interessiert daran, dass der Leserkreis nicht unnötig eingeschränkt wird.

    Andererseits gibt es auch Werke, die nicht in diesem Sinn gehaltvoll sind. Ich weiss nicht, ob man sie überhaupt als Kultur bezreichnen sollte, da sie nur kommerziellen Interessen dienen und keine echte Kommunikation von Mensch zu Mensch darstellen.

  • 2. Mario  |  21.Oktober 2006 at 15:04

    Ich denke nicht, dass es gehaltvolle und weniger gehaltvolle Werke gibt. Das ist sehr subjektiv und abhängig von Autoren, Lesern und Dritten. Vielleicht sollte man die These auch eher aus der technischen Sicht lesen: Jedes Werk benötigt ein Format/Medium. Alle Formate sind per se dazu gemacht, um die Inhalte, die über die Formate/Medien gesendet werden, dekodieren und folglich lesen zu können. Jedes Format erfüllt dabei spezifische Anforderungen an das Lesen: Während z.b. bei Audiofiles das Format .mp3 = grosse Kompression anbietet, bietet .wav bessere Soundqualität. Einzelne Bildformate sind zur Darstellung ideal (.png, .gif, .jpg), andere wiederum bieten Editiermöglichkeiten (.psd). Welches Format uns der Autor zur Verfügung stellt, definiert wesentlich die Nutzung und die Art des Lesens mit. Lesen kann ja auch bedeuten, dass man aktiv in die Gestaltung eingreift und das Werk durch das Lesen selbst verändert. Dies ist abhängig vom Format und schliesslich auch von den rechtlichen Bedingungen und Lizenzen, die mitgeliefert werden. Dazu aber mehr in den Thesen 4 und 5.

  • 3. martin  |  22.Oktober 2006 at 14:31

    Stimme Mario voll zu. Wen würden wir uns als Vertreter und Authorität in der Beantwortung der Frage von gehaltvoll oder nicht auswählen?
    Mario: bin gespannt auf deinen Thesen 4 und 5, wann kommen die denn endlich ;-)

  • 4. Mario  |  23.Oktober 2006 at 16:39

    Genau diese Authorität wäre eine ähnlich restriktive Kontrollinstanz, wie sie mit DRM auf technologischer Ebene vorgeschlagen wird. Das Publikum zu befragen ist dafür genauso wenig aussagekräftig (siehe Fragwürdigkeit diverser Charts) wie Juroren, die von Musikindustrien bezahlt und als reine Marketinginstrumentarien eingesetzt werden.

    Der Versuch ein Werk “gehaltvoll” machen zu wollen, sind Mittel um das Interesse der Leser, Auotren und Dritter zu vertreten oder durchzusetzen. Sie verändern das Werk sowohl in künstlerischer, techischer und ökonomischer Hinsicht und sind deswegen von ausserordentlicher Bedeutung.

    Der Diskurs über ein Werk muss geführt werden. Es muss aber ein offener Diskurs sein. Nur ein offener Diskurs ist ein Mehrwert für die Kultur eines Landes (die Gesellschaft eines Landes oder einer grösseren Gemeinschaft).

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