informatica08: Veranstaltungsreihe “Verletzlichkeit der Informationsgesellschaft”
Im Auditorium Maximum der ETH Zürich fand heute der erste Teil der von der Stiftung Risiko-Dialog organisierten Veranstaltungsreihe “Verletzlichkeit der Informationsgesellschaft” statt.
Die Stiftung, welche sich u.a. durch Beiträge von Unternehmen und des Bundes finanziert, hat sich zum Ziel gesetzt, bei der breiteren Bevölkerung das Bewusstsein für die Gefahren in der Informationsgesellschaft zu fördern. Dazu wurden in Zusammenarbeit mit der ISSS drei externe Referenten eingeladen. Nachfolgend eine kleine Übersicht zum Inhalt:
In der ersten Präsentation (Referent: Rolf Gartmann, SWITCH) wird auf einen möglichen Angriffspunkt beim E-banking fokussiert: Der Browser des Nutzers. Als Ansätze zum Angriff werden Social Engineering und Drive-by-Download genannt. Als Abwehrmassnahmen werden fleissiges Updaten der Software mit Patches, Antivirenschutz, Firewalling, sowie vermehrte Vorsicht beim Nutzer empfohlen. Diplomatisch-vorsichtig wird auch vor Windows gewarnt, unter dem Hinweis auf Probleme mit Monokulturen.
Im zweiten Teil des Referats folgt dann eine Demonstration eines Angriffs auf den Internet Explorer via Quicktime Plugin, wozu der Referent u.a. ein extra dafür programmiertes, simples eBanking-System verwendet, welches auf einer virtuellen Maschine den Host der Bank simuliert. Nach Aufruf eines präparierten Quicktime Movies im Browser werden alle Zugriffe auf die Bank manipuliert.
Der zweite Referent (Stefan Frei, ETH) bezieht sich ebenfalls auf Angriffe beim Nutzer. Am Beispiel eines Fishing-eMails wird der Angreifer humoristisch über Russland, Hong Kong, USA, Irak, Palästina, Ukraine und die Kokosinseln rund um die Welt verfolgt, nur um festzustellen, dass es schliesslich fast nicht möglich ist, ihn aufzuspüren. Der Referent wird nicht müde zu betonen, dass es sich bei den Angreifern nicht um einzelne, klischeegemäss Pizza-essende Hacker handelt, sondern um organisierte Kriminalität.
Auch dieser Referent sieht die Lösung der Probleme vor allem in der Erziehung der Nutzer, obwohl er später einer Intervention eines Zuhörers zustimmt, dass die IT aktuell eigentlich zu komplex sei, als dass ein Normalbürger genügend Hintergrundwissen besitzen könne.
Der dritte Referent (Marc Henauer, MELANI/KOBIK) schliesslich geht von einer eher politischen Seite auf Geldwäscherei ein. Hier gibt es teilweise Überschneidungen mit der zweiten Präsentation. Neben praktischen Tipps zur Geldwäscherei hat der Referent folgendes allgemeine Rezept auf Lager:
1. Placement (Geld anlegen, auf die Reise senden)
2. Layering (durch verschiedene Transaktions-Hops die Rückverfolgung erschweren)
3. Re-Integration (Geld auf eine plausible Art wieder abholen)
Daneben werden auch Möglichkeiten zum Aufbau von Identitäten und Off-Shore Unternehmen diskutiert.
Der Abschluss der Veranstaltung schliesslich wird durch eine Podiumsdiskussion erreicht.
Das Ziel der Stiftung, auch etwas Tiefgang zu erreichen, wird durch die Referenten in diesem Fall durchaus erreicht. Interessant wird es sicherlich, in kommenden Veranstaltungen zu sehen, ob dies auch bei Themen wie z.B. Datenschutz gelingen wird.
jetzt kommentieren? 07. März 2008 Andreas